Sonntag, 27. Januar 2013

interessant war's in Vietnam

Hallo zusammen,

wir haben Vietnam nach ca. 5 Wochen Reisezeit wieder verlassen und sind gestern in Vientiane (Laos) angekommen. Die letzten 2 Wochen haben wir wie geplant im noerdlichen Teil des Landes verbracht. So zog es uns von Kontum aus ueber Danang nach Hoi An. Die 7 stuendige Minibusfahrt ueber die kurvenreichen mit Nebel ueberzogenen Berge hatte es wieder in sich und brachte sogar 3 Vietnamesen zum Erbrechen - bessere Transportmoeglichkeiten gibt es im Hochland leider nicht. Ich hoffe einfach, dass ist nur in Vietnam so. So langsam macht sich bei mir naemlich Platzangst breit. In Danang angekommen, nahmen wir den lokalen Bus nach Hoi An, in dem die naechste Herausforderung auf uns wartete. Der Ticketverkaeufer im Bus wollte einen fuer hier enorm hohen Fahrpreis von uns und drohte uns mit Rauswurf aus dem Bus. Da die Busse alle 30 Minuten fahren, sahen wir dem noch ganz entspannt entgegen. Wobei ich sagen muss, dass mich solche Situationen immernoch recht stressen, waehrend Silvan immer recht gelassen bleiben kann.  Er hielt ihm 40.000 Dong hin (ca. 2 CHF), statt den verlangten 100.000 Dong. Waehrend der Fahrt kam er immer wieder und verlangte das Geld, nahm aber die 40.000 Dong nicht an. In Hoi An kurz vorm Busterminal kam er dann zum vierten oder fuenften mal und sagte nur noch "Money", schnappte sich die 40.000 Dong und liess uns aussteigen. In Hoi An erfuhren wir, dass der regulaere Preis bei 25.000 Dong pro Person lag. Das ist glaub das erste Mal wo wir tatsaechlich weniger zahlten als regulaer gewesen waere. Ich hab Silvan mega bewundert fuer seine Hartnaeckigkeit! Auf der Rueckfahrt hatten wir eine Kassiererin, die ohne Probleme zu machen, den regulaeren Preis verlangte. Frauen sind hier tatsaechlich viel ehrlicher als Maenner, obwohl es auch solche gibt, die es versuchen zu betruegen. So passierte es uns in Ninh Binh, dass eine alte Frau von uns den 10fachen Betrag verlangte fuer die Ueberquerung einer von den Einheimischen selbst gebauten Bruecke aus schwimmenden Faessern mit Holzbrettern darauf. Wir waren mit dem Motorrad unterwegs und am Ende der Bruecke stand sie mit ihren vielen 1000 und 2000 Dong Scheinen in der Hand. Ich wollte ihr 2000 Dong geben (fuer die Faehren zahlten wir nie mehr als 1000), aber sie kramte einen 10.000 Dong Schein hervor und zeigte uns damit, dass wir 10.000 zahlen sollen. Da sie die 2.000 partout nicht annehmen wollte und diskutieren wegen der fehlenden Sprachkenntnisse nicht moeglich war, sagte ich Silvan, er soll sonst einfach fahren, was er auch tat. Die Frau hielt uns beide an der Jacke fest, kam aber gegen das Motorrad nicht an. So fuhren wir ohne zu zahlen. Eben, manchmal ist es muehsam. Aber die schoenen Erlebnisse und Erfahrungen ueberwiegen zum Glueck bei weitem.

Hoi An ist zwar eine sehr touristische aber auch sehr schoene und bunte Stadt, die mit ihren vielen kleinen alten Haeusern und Gassen recht viel Charme mitbringt. Wir trafen hier beim Abendessen einen Reisenden wieder, den wir im Hochland mal kurz am Elefantenwasserfall kennengelernt hatten und verbrachen mit ihm einige Zeit. Er empfahl uns, die Marmorberge bei Hoi An zu besichtigen, die eigentlich gar nicht auf unserem Plan standen, aber tatsaechlich sehr imposant waren. Sie sind durchzogen von mehreren Hoehlen in denen Altaere und teilweise sogar ganze Tempel stehen, die zu Kultzwecken genutzt wurden. Vor allem die groesste der Grotten war mit ihren 2 Tempeln und bunten Figuren malerisch. In den Souvenirshops vor den Hoehlen wurden jede Menge Marmorstatuen verkauft und in den Hinterhoefen konnten wir sehen, wie diese teilweise unter Verwendung von Kreissaegen hergestellt wurden.
Von Hoi An aus unternahmen wir noch eine Tagestour nach My Son, die alte Hauptstadt der Cham. Von der Stadt selber ist das meiste durch den Vietnamkrieg zerstoert worden. Das Highlight der Tour war beinah unser Guide, der mit Militaerstiefeln, Uniform und vietnamesischen Militaerhut bekleidet durch und durch Kommunist zu sein schien. Immer wieder verwies er auf den Krieg und darauf wieviele Vietnamesen durch die Amerikaner umgekommen sind und wieviele Bomben auf My Son abgeworfen wurden, immer gefolgt von "zu viele, zu viele". Ueber die Tempelstadt selber gab es nur wenige Informationen. Die Franzosen haben sie in der ersten Haelfte des 20. Jhd. wieder entdeckt und ausgegraben und leider auch mehrere Koepfe von Statuen mitgenommen um sie im Louvre auszustellen. Das wurde vom Guide auch mehrmals erwaehnt. Aber dass sie die Wiederentdeckung der Stadt nur den Franzosen zu verdanken haben und selbst gar keine Anstrengungen unternommen haetten ihr kulturelles Erbe zu pflegen, das wird verschwiegen... Ja nu, interessant war der Ausflug dennoch.
Von Hoi An aus ging es dann weiter nach Hue - diesmal mit dem Zug, da die Strecke als landschaftlich sehr schoen im Reisefuehrer beschrieben stand. Wir loesten ein Ticket fuer Auslaender und bekamen Plaetze in einem streng nach Durian riechenden Abteil - hm... Manche der Insassen sind darin ganze 2 Tage unterwegs um von Saigon nach Hanoi zu fahren. Wir postierten uns waehrend der 2 stuendigen Fahrt nach Hue im Gang am Fenster und genossen die Aussicht bei frischer Luft. Trotz allem ist Zug fahren sicher angenehmer als mit dem Minibus.
In Hue sind die groessten Touristenattraktionen die weitestgehend zerstoerte Zitadelle und Kaiserstadt, die momentan wieder aufgebaut bzw. restauriert wird und die umliegenden Kaisergraeber von denen wir nur eines (Tu Duc) besucht haben. Es ist sicher wert mal in 5 Jahren nach Bildern der Kaiserstadt zu recherchieren. Momentan ist wirklich vieles noch zerstoert - in manchen Waenden sind sogar noch Einschussloecher vom Krieg zu sehen. Ich nehm an, in 5 Jahren ist die ganze Kaiserstadt wieder aufgebaut und wird zu einer der groessten Touristenattraktionen Vietnams.
Von Hue aus unternahmen wir noch eine Tagestour in die demilitarisierte Zone, die uns zu einer amerikanischen Militaerbasis fuehrte und zu einem Teil des Ho Chi Minh Pfades, der heute als Fernverkehrsstrasse genutzt wird. Letzte Station der Tour war ein Soldatenfriedhof auf dem nur nordvietnamesische Soldaten bestattet wurden. Suedvietnamesischen Soldaten wird diese Ehre nicht zuteil - sie wurden wie "normale" Menschen ausserhalb begraben.
Von Hue aus testeten wir dann den Nachtbus, um nach Ninh Binh zu kommen - eine recht komfortable Option. Lang hielt es uns in Ninh Binh aber nicht, da das Wetter immernoch kalt und regnerisch war. Und ohne Heizung ist es auch drinnen kalt. Wir machten einen Ausflug in die trockene Ha Long Bucht (Tam Coc) wo Frauen das Kanu mit den Fuessen rudern und die Landschaft neugierig auf die tatsaechliche Ha Long Bucht macht. Die haben wir dann von der Insel Cat Ba aus erkundet inkl. einer einstuendigen Fahrt zu zweit im Kajak. ;-))
Cat Ba ist eine der groesseren Inseln in der Ha Long Bucht mit einer verhaeltnismaessig kleinen Stadt die fast nur aus Hotels besteht. Einen Nationalpark gibt es dort auch, in dem es auch Hornbills zu sehen geben soll. Wir haben eine eintaegige Trekkingtour durch den Park unternommen, waren aber in so einer grossen Gruppe unterwegs, dass die Chance, Tiere zu sehen, recht klein war. Dennoch, landschaftlich war es beeindruckend.
Von Cat Ba aus gings dann in die Hauptstadt Vietnams - nach Hanoi. Die Stadt ist verrueckt und beeindruckend zugleich. Das Verkehrschaos erreicht hier seinen Hoehepunkt. Es sind tausende Roller unterwegs und alle fahren wie sie grad moegen und so wie grad Platz ist. Die Gehwege sind zugeparkt mit Rollern oder vollgestellt mit Waren der ansaessigen Laeden oder mit Imbisstaenden. So ist man gezwungen, groesstenteils auf der Strasse zu laufen und sich immer wieder vor den Rollern in Acht zu nehmen. Die Strasse ueberqueren heisst, im gleichmaessigen Tempo voran laufen, so dass die Rollerfahrer kalkulieren koennen wie schnell man voran kommt und um einen herum fahren koennen. Begleitet wird das Chaos von staendigem gehupe. Ein wirklich entspannter Stadtspaziergang ist schlicht unmoeglich! Dennoch hat Hanoi Charme, da noch recht viele alte Haeuser und kleine Gassen erhalten sind. In vielen der Haeuser findet man lange Korridore, die in irgendeinen Hinterhof fuehren, was jedes Mal faszinierend anzuschauen war. Es ist als wuerden sie in eine andere geheime Welt fuehren die sich im Unsichtbaren abspielt.
Wir haben in Hanoi das Wasserpuppentheater besucht, was schon vor vielen Jahrhunderten erfunden wurde und dessen Showbuehne damals Reisfelder waren. Es war sehr interessant und farbenfroh gemacht. Wir waren unter anderem auch im Ho Chi Minh Trail Museum, was ein Zeugnis davon ist, was passiert, wenn Museen nicht von irgendwelchen Touren angesteuert werden. Das Museum selbst ist sehr aufwaendig gemacht und sehr informativ, aber momentan dem Verfall geweiht, da es kaum Besucher dorthin zieht. Der Putz blaettert von den Waenden und ihm Treppenaufgang hat sich der Schimmel breit gemacht. Wir waren zumindest am Vormittag die einzigen Gaeste fuer die der Dokumentarfilm angestellt und das Licht angeschalten wurde.
Noch faszinierender als die Museen ist aber das taegliche Leben der Stadtbewohner, die auf ihren Rollern Lasten befoerdern, die bei uns den Kofferraum eines kleinen PkW's fuellen wurden, ihre Waren auf der Strasse verkaufen, auf der Strasse kochen, Haare schneiden oder buegeln.
Mit diesen Eindruecken verliessen wir Hanoi mit dem Nachtbus Richtung Vientiane (Laos). Ein letztes Mal erfuhren wir, wie Auslaender in Vietnam beim Transport wie 2. Klasse Menschen behandelt werden. Sie zahlen generell mehr und bekommen die schlechtesten Plaetze zugewiesen. So durften wir (gilt fuer alle auslaend. Reisenden) erst den Bus besteigen, als alle Einheimischen ihren Platz gefunden haben. Dennoch war die 20 stuendige Fahrt angenehmer als erwartet. Auch an der Grenze zu Laos ging es zwar etwas chaotisch zu und Einheimische wurden bei der Ausreise aus Vietnam bevorzugt waehrend die Auslaender immer wieder warten mussten, alles in allem aber ok.

Jetzt freuen wir uns auf 2 Wochen Laos und sind gespannt, was das Land fuer uns bereit haelt. Vientiane ist fuer eine Hauptstadt recht klein und angenehm ruhig, was nach Hanoi eine Wohltat ist.

Bis bald,
Silvan & Katja

Fotolink: https://picasaweb.google.com/silli081/VietnamTeil202?authuser=0&authkey=Gv1sRgCOTr05yO08jCWQ&feat=directlink










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