Freitag, 2. November 2012

Zauber des Rinjani

Hallo zusammen,

die letzten Tage haben wir auf Lombok verbracht, wo die schoensten Erinnerungen dem Rinjani gelten, Indonesiens zweithoechstem Vulkan mit 3726m. Dazu aber spaeter mehr.

Seit gestern sind wir auf Gili Trawangan, was sehr touristisch ist und daher auch eine Menge Internetcafes hat. So koennen wir mal wieder ein paar Reisenews posten und schauen was so in der Welt passiert. Aber jetzt zu den letzten Ereignissen.

Nachdem wir im Komodo Nationalpark nochmal die Mantas bei einem weiteren Tauchgang bewundern konnten, verliessen wir Labuanbajo. Die Faehre, eher ein rostiger Container mit mehr einheimischen Passagieren als Sitzplaetzen sowohl in der 2. als auch in der 1. Klasse startete gegen 9 Uhr morgens in Labuanbajo. Die Ueberfahrt nach Sape dauerte ca. 7 Stunden.
Da der Kapitaen recht auslaenderfreundlich war, durften wir und noch ein paar andere Reisende aufs Oberdeck, wo sich die Bruecke befand und sonst nur Mitarbeiter plus ein paar ausgewaehlte Einheimische Zutritt haben . Dort fanden wir an der frischen Luft ein schattiges Plaetzchen wo es sich trotz der enormen Hitze aushalten liess. So wie die Einheimischen uns die ganze Zeit beobachtet haben, glaube ich, waren wir fuer sie die beste Unterhaltung dort. :-)). Silvan traegt fleissig Deutsch-Indonesische Vokabeln zusammen, was zumindest kurzzeitig eine kleine Unterhaltung mit ihnen ermoeglichte.
In Sape (Sumbawa) angekommen ging es sofort weiter mit einem kleinen Bus nach Bima, wo ein grosser Reisebus auf uns wartete, der uns von Bima innert 15 Stunden nach Mataram (auf Lombok) brachte. Die Fahrt war lang, etwas abenteuerlich und anstrengend, aber wir konnten zumindest etwas schlafen. Und obwohl wir zwischenzeitlich eine kleine Panne hatten, wo ploetzlich einfach der Motor des Busses ausging, kamen wir puenktlich in Mataram an. Dort begann dann ein kleiner Spiessroutenlauf um eine Fahrgelegenheit nach Teres Genit zu finden, wo sich unsere Unterkunft, das Rinjani Garden Hotel, befand. Schliesslich kamen wir mit einem total ueberladenen local Minibus, nachher auf der Ladeflaeche eines Pick ups und dann mit Motorrollern 3 Stunden spaeter zum Ziel. Sicher war es eine lange Fahrt, aber so haben wir auch Eindruecke gewinnen koennen vom Leben der Leute hier, die sich taeglich so fortbewegen und dabei immernoch ein Lachen auf den Lippen haben.

Im Rinjani Garden Hotel wurden wir super nett und warmherzig empfangen. Das kleine Paradies am Hang des Rinjani inmitten von Reisfeldern wird von einem deutschen Paerchen gefuehrt. Es gibt einen Teich, in dem man auch schwimmen kann, die Huetten bzw. Zimmer sind mit Liebe zum Detail eingerichtet, abends isst man zusammen und morgens gibt es ein deutsches Fruehstueck mit selbstgebackenem dunklen Brot. Genau das Richtige nach so einer langen Fahrt!

Noch am Ankunftstag haben wir uns entschieden, am naechsten Tag eine 3taegige Tour auf den Gipfel des Rinjani zu unternehmen. Wir hatten schon einiges von anderen Reisenden gehoert, unter anderem dass es sehr anstrengend ist, aber wie so oft bekommt man erst einen Eindruck davon wenn man es selbst mal gemacht hat. So starteten wir am Morgen des naechsten Tages unsere Tour zusammen mit 2 Belgiern, die auch Gaeste des Rinjani Garden Hotels waren und einigen anderen Gaesten.
Am Eingang des Parks (auf 600 Hoehenmetern) trafen wir unseren Guide und einige der Traeger, die fuer uns die naechsten 3 Tage Zelte und Proviant trugen und fuer uns kochten.  Wir bekamen kurz eine Einweisung bis wo wir aufseigen konnten bzw. wo es Mittag geben wuerde und dann machten wir uns auf den Weg. Bis zum Mittagspunkt waren es etwa 1000 Hoehenmeter und obwohl der Weg die ganze Zeit durch den schattigen Regenwald fuehrte, war es unheimlich warm. Dafuer war die Natur sehr eindruecklich und was noch schoener war - es gab um uns herum keine Handys, kein Strassenlaerm, nur die Grillen die von Zeit zu Zeit ein lautes Konzert veranstalten, das Rascheln im Unterholz, die Gekkos mit ihrem speziellen Ruf, Voegel die zwitschern - so schoen wenn man das einfach auf sich wirken lassen kann. Fuer den Aufstieg zum Mittagspunkt brauchten wir 2,5 Stunden und eine Menge Energie, so dass wir ziemlich ausgehungert da ankamen. Ich haette glaub alles gegessen. Was wir bis dahin nicht wussten, war, dass noch 3 weitere Gaeste von den Gili-Inseln zu unserer Gruppe stossen sollten. Da ein muslimischer Feiertag war, fuhr aber die erst Faehre nicht. So kamen die 3 ganze 3 Stunden spaeter als geplant auf Lombok an. So warteten wir geschlagene 4 Stunden auf die verspaeteten Ankoemmlinge und natuerlich auch auf unser Mittag :-(  ... eine echte Geduldsprobe, aber es gab gute Gespraeche mit den anderen der Gruppe (insgesamt 9), was uns alle etwas zusammenwachsen liess.
Da wir vom Mittagspunkt aus zu spaet wieder starten konnten, schafften wir das erste Tagesziel, den Kraterrand nicht. Eine Stunde vor dem Ziel beschlossen, die Traeger, die Zelte aufzubauen und das Abendessen zu kochen, da sich bereits der Sonnenuntergang ankuendigte. Es gab viel Unmut darueber, aber unser Ziel am Morgen des 3. Tages den Gipfel vor Sonnenaufgang zu erreichen war dadurch nicht gefaehrdet. So gingen wir ziemlich bald nach dem Abendessen schlafen.
Die Nacht war gegen 6.30 Uhr zu ende. Zum Fruehstueck gab es Pancake mit Toastbrot und Tee bzw. Kaffee. Nicht besonders lecker aber zumindest saettigend. Gegen 7 Uhr setzen wir unseren Aufstieg zum Kraterrand fort, wo uns ein ueberweltigender Anblick erwartete. Im Krater ist ein See und darin nochmal ein kleiner Vulkan. Dahinter ragt die Spitze des Rinjani empor. Ein kurzer Fotostop war ein Muss! :-) Nachher ging es 2,5 Stunden abwaerts zum Kratersee, wo wir uns mit einem Bad erfrischen konnten. Es tat unheimlich gut. Nach dem kalten Bad ging es zu den warmen Quellen in der Naehe des Sees. Das etwa 40 Grad warme Wasser war Wellness fuer die mueden Muskeln. Spaeter gab es noch Mittag am See - wieder Nudeln mit Gemuese und Reis, Krupuk und etwas Huehnchenfleisch sowie Ananas zum Nachtisch. Es war lecker, machte aber leider, zumindest bei mir, die Einnahme von Immodium akut notwendig. Keine gute Voraussetzung fuer den weiteren Aufstieg.
Unser Tagesziel war in 2600m Hoehe - vom Kratersee aus etwa 700 Hoehenmeter, die erkaempft werden wollten. Von nun an gab es keinen wirklichen Weg mehr, der Aufstieg glich einer Kletterpartie - erst die Suche nach dem richtigen Tritt, dann klettern, aufpassen, dass man das Gleichgewicht nicht verliert oder dass man nirgendwo mit den Knien anschlaegt, dazu die Hitze. Meine Krise hatte ich, als die Traeger mit ihren 25 kg Gepaeck auf den Schultern in Flip Flops muehelos an uns vorbei zogen und uns dann noch alte, zahnlose, grauhaarige Maenner barfuss von oben entgegen kamen... Ich fragte mich kurzzeitig, was wir da eigentlich machen bzw. uns antun, aber der Gedanke an den Gipfel war ein guter Antrieb.
Zum Abendessen gab es wieder das gleiche wie schon am Vorabend und zum Mittag. Nach Sonnenuntergang wird es auf dem Berg ziemlich kalt, so konnten wir die aktuellen Temperaturen in Zuerich etwas nachempfinden :-) Wir waren gut ausgeruestet mit Fleece und Muetze, jedoch unsere Traeger, die diesen Aufstieg 2mal pro Woche machen, hatten kaum waermende Kleidung. Auch Zelte hatten sie nur fuer die Gaeste. Geschlafen haben sie unter einer grossen aufgespannten Plane - fuer uns kaum vorstellbare und erst recht nicht akzeptable Arbeitsbedingungen. Fuer sie ist es alltaeglich, aber sicher nicht angenehm.
2 Uhr morgens hat unser Guide uns geweckt. Wir fruhstueckten kurz mit Tee und Keksen und machten uns 2.30 Uhr auf, die letzten 1000 Hohenmeter zu erklimmen. Eingeplant waren etwa 3 Stunden fuer den Aufstieg, die wir auch brauchten. Der Weg nach oben bestand nur aus Sand, Staub und kleinen Lavakieselsteinen. Bei jedem Schritt rutschte man wieder ein paar Zentimeter ab. Es ist wie 3 Stunden einen Sandberg nach oben klettern. Man denkt nicht mehr gross nach und setzt nur noch einen Fuss vor den anderen. Ein starker Seitenwind hat den Aufstieg noch erschwert.
Ich war kurz hinter Silvan, so hat er ca. 5 Hoehenmeter vor dem Gipfel auf mich gewartet. Die letzten Meter haben wir Hand in Hand geschafft. Ich konnte mir oben eine Jubelschrei nicht unterdruecken. Wir fielen uns mit denen von unserer Gruppe die schon oben waren und denen die nach uns kamen in die Arme und gratulierten uns gegenseitig, dass wir es geschafft haben. Silvan hatte noch ein Gipfelbier mitgenommen - ich glaube ich hab ein Bier noch nie so genossen.
Wir haben es grad rechtzeitig zum Sonnenaufgang geschafft und dort oben zu stehen, war ein unglaublich schoenes Gefuehl. Die ganze Anstrengung hat sich definitiv gelohnt und so wird der Rinjani ein super schoenes Erlebnis in Erinnerung bleiben.

Nach unserer Tour blieben wir noch 3 Tage im Rinjani Garden Hotel, um zu entspannen und kleinere Ausfluege zu machen. So mieteten wir am Dienstag einen Roller um etwas die Gegend zu erkunden. Ich hab auch mal probiert zu fahren, was leider etwas schief ging. Der Roller und ich haben einige Blessuren davon getragen, alles in allem ging es aber glimpflich aus. Der Schadenersatz betrug 15 CHF - die Wunden an Knie und Arm brauchen noch ein Weilchen zum Heilen.

Der Plan ist, jetzt noch ein paar Tage auf Gili Trawangan zu bleiben - ich mach hier noch den advanced Tauchlehrgang. Alles andere ist noch offen.

Liebe Gruesse von den beiden Gipfelstuermern

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