Donnerstag, 22. November 2012

Seide, Elefanten und vieles mehr …

Seit unserem letzten Blogeintrag sind wir inzwischen recht viel im Nordosten Thailands herum gekommen. Auch wenn die Region noch nicht so touristisch erschlossen ist und sich gemaess Reisefuehrer nur 1% der Auslaender hierher verirren,hat sie doch einiges zu bieten. So fuehrte uns unser erstes Ziel in die Stadt Ayutthaya, welche einst Hauptstadt von Siam war und wegen der vielen kleinen Kanaele und Fluesse auch "Venedig des Ostens" genannt wird. Zugegeben klingt das viel romantischer als es ist, da Ayutthaya seit seiner Zerstoerung durch die Burmesen 1767 doch etwas seinen Glanz verloren hat. Die Einfuehrung von Plastikartikeln, welche nach Gebrauch die Strassen, Fluesse und Kanaele verschmutzen, tun ihr uebriges... Dennoch haben wir dort einige schoene und interessante Dinge gesehen und erlebt.
Die meisten Tempel sind zwar nur noch Ruinen, haben aber ihren eigenen Reiz wohingegen die noch intakten Tempel eher zu Geldmaschinen avanciert sind. Zum einen ruehmt  sich jeder Tempel, einen der groessten Buddhas zu beherbergen, so dass es uns inzwischen ein Laecheln auf die Lippen zaubert, wenn wir wieder mal einen grossen Buddha sehen – es ist wahrscheinlich wieder einer der Groessten, zum anderen kann man alle moeglichen Sachen kaufen, die angeblich Glueck bringen. Darunter zaehlen zum Beispiel Fische oder Voegel, die man frei lassen kann oder Tuecher, die man sich in einer Art Zeremonie ueber den Kopf ziehen laesst und die danach ihren Platz auf der Schulter der grossen Buddhafigur finden. Generell entstand bei uns das Gefuehl, dass die Thailaender zumindest in Ayutthaya mehr Geld fuer ihre Religion ausgeben als fuer alles andere.
Das Highlight von Ayutthaya waren aber nicht die Tempel, sondern die Suche nach dem Floating Market (schwimmender Markt), der sich ausserhalb der Stadt befinden sollte. Mit den mietbaren Velos waren wir mobil und machten uns auf den Weg. Kurz bevor wir den Markt erreichten, meinte ein Einheimischer, den gaebe es nicht mehr. Silvan fragte noch einen zweiten Einheimischen, der uns daraufhin zu verstehen gab, ihm zu folgen. So fuehrte er uns einen schlammigen Pfad durchs Schilf, wo sich kurze Zeit spaeter der Floating Market bzw. das was von ihm noch uebrig war, zeigte. Er fuehrte uns durchs Gelaende, zeigte uns noch einen schoenen Aussichtspunkt auf eine alte Tempelruine und erklaerte uns mit den wenigen Worten Englisch die er sprach, dass der Markt durch das Hochwasser 2011 zerstoert wurde. Er selbst war fuer den Markt zustaendig. An einen Wiederaufbau ist leider jedoch nicht zu denken.
Der Mann hatte Freude uns durch seine Umgebung zu fuehren und es zeigt wieder mal die Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Menschen hier. Generell machen die Leute hier in Nordost-Thailand einen ehrlicheren und freundlicheren Eindruck als wir es bisher auf unserer Reise erlebt haben.
Von Ayutthaya aus fuehrte uns unsere Reise weiter mit dem Zug nach Surin, wo wir das Elefantenfesival besuchen wollten. Zugfahren ist hier recht guenstig, so zahlten wir fuer die Strecke Bangkok nach Ayutthaya nur 1,50 CHF und von Ayutthaya nach Surin 7 CHF. Da unsere Tickets mit Sitzplatzreservation waren, konnten wir auch sitzten, was recht bequem war. Generell sind die Zuege nicht so voll, so bleibt Platz im Mittelgang fuer die Verkaeufer von Getraenken und den verschiedensten Esswaren. Sie laufen ununterbrochen die Gaenge auf und ab und irgendwann erkennt man schon an der Tonlage des Singsangs oder der Stimme, welcher Verkaeufer grad im Anmarsch ist. ;-)) Vom halben Huhn am Spiess ueber fertige Mahlzeiten bestehend aus Reis und Fleisch bis hin zu Gebaeck ist im Zug eigentlich alles zu haben. Wir entschieden uns fuer Gebaeck, was noch warm, d.h. frisch und sehr lecker war.
Auch die Uebernachtungen sind in Nordost-Thailand mit durchschnittlich 5 bis 10 CHF pro Person und Nacht recht guenstig, genauso wie das Essen, was pro Mahlzeit mit durchschnittlich 3 CHF zu Buche schlaegt. Wir haben die Nachtmaerkte fuer uns entdeckt, die eine grosse Auswahl an Essen bieten. Manchmal ist es etwas schwierig zu bestellen, aber bis jetzt hat es immer irgendwie geklappt.
Surin ist bekannt fuer seine Elefanten und die Seidenweberei in den umliegenden Doerfern. Einmal im Jahr findet das Elefantenfestival statt, was sich in 3 grosse Ereignisse aufteilen laesst: den Wettbewerb der Umzugswagen, welche kunstvoll mit Elefantenfutter geschmueckt sind, das grosse Elefantenbuffet, bei dem dieses Jahr 269 Dickhaeuter jeweils 185kg Futter verdrueckten und die Elefantenshow, wo die Elefanten Kunststuecke vorfuehren und historische Schlachten nachspielen. Die Wagen, welche zu 50% mit Elefantenfutter geschmueckt sein muessen sowie die Show waren interessant, aber das Highlight fuer uns war das Elefantenbuffet, wo jeder Festivalbesucher Elefanten selber fuettern konnte. Auch wir liessen uns den Spass nicht nehmen und fuetterten die Elefanten mit allem was das Buffet hergab, vor allem aber mit Maiskolben, da sie die, wie wir feststellten, am liebsten fressen.
Auch die Seidenweberei wollten wir einmal von Nahem betrachten, so besuchten wir das bekannteste der Seidenweberdoerfer - Ban Tha Sawang. Als wir dort ankamen, hatte das ganze Dorf gerade Mitagspause, aber auch danach wachte es nicht wirklich auf. Ausser ein paar Laeden die Seidenwaren verkaufen – unter anderem Seidenkrawatten (100% Seide) mit passenden Manchettenknoepfen und Krawattennadel in passender Box aus Seide fuer umgerechnet 3 CHF!! - gibt es nicht so viel zu sehen. Wir entdeckten in einem Hinterhof einen grossen Webstuhl, der von 4 Frauen bedient wurde und  schauten ihnen dort einige Zeit gespannt beim Weben zu. Man glaubt nicht wieviel Arbeit in so einem Stoff steckt – wir versuchten den Prozess nachzuvollziehen, aber es ist eine Wissenschaft fuer sich! So kommen die 4 Frauen pro Tag wenige cm voran, haben aber scheinbar recht viel Spass bei der Arbeit. In Ban Tha Sawang werden auch Stoffe fuer den Koenigshof hergestellt, von denen der Quadratmeter 1000 CHF kostet. Bedenkt man, wie  aufwaendig die Herstellung ist und wie lang sie dauert, ist das immernoch guenstig. Bevor wir die 4 Frauen wieder verliessen, zeigten sie uns mit einem Spiegel, den sie unter den Stoff hielten, das bis dahin fertige Muster.
Wir fragten im Dorf noch, wo man die Seidenraupen sehen kann. Da kaum jemand Englisch spricht, zeigte uns eine Frau den Weg zum richtigen Haus, wo die Raupen in einem Hinterhof gezuechtet werden. Wir trafen dort auf 3 aeltere Frauen - das Alter ist schwer zu schaetzen, da sie vom Leben stark gezeichnet sind. Eine der Frauen zeigte uns die Larven und die Kokons. Sie erzaehlte recht viel auf Thailaendisch – zu schade, dass wir nichts verstanden haben. Sie war so freundlich und engagiert! Sie lud uns spaeter sogar in ihr Haus ein, wo sie uns die fertigen Seidenfaeden zeigte.
Zurueck in die Stadt wollten wir den Bus nehmen, also stellten wir uns an die Strasse und warteten. Als ein alter rostiger Lieferwagen vorbei kam, dessen Fahrer an den verrueckten Ballonfahrer Izzy aus die Mumie kehrt zurueck Teil 2 erinnerte, fragten wir, ob wir bis Surin  mitfahren koennen. Er verstand uns irgendwie und nahm uns tatsaechlich mit. Kurz vor dem Ziel stieg leider Rauch aus dem Armaturenbrett auf, womit die Fahrt erstmal beendet war. Er war mega stolz, dass er uns mitnehmen konnte und er entschuldigte sich fuer die Panne, waehrend es uns leid tat, ihm nicht helfen zu koennen. 
Am nachsten Tag besuchten wir noch ein Forschungszentrum, wo man mehr ueber die Herstellung von Seide erfahren sollte. Der Besuch war eher enttauschend, dafuer erlebten wir auf der Hinfahrt ein kleines Wunder. Auf dem Markt feilschten wir mit einem Tuk Tuk Fahrer um den Preis als eine Thailaenderin mit uns ins Gespraech kam und uns von ihrer in Australien lebenden Tochter erzaehlte. Wir nutzten die Chance und fragten sie, ob der Preis des Tuk Tuk Fahrers wirklich fair ist. Sie wechselte ein paar Worte auf Thai mit ihm und uebernahm kurzerhand die Fahrtkosten fuer uns. Wir staunten nicht schlecht und wollten widersprechen, was jedoch zwecklos war. Mit etwas schlechtem Gewissen fuhren wir letztendlich los.
Was wir bzw. Silvan in Surin noch erlebten, war eine Kostprobe der hier als Delikatesse geltenden Insekten. So hatte Silvan den Mut, auf dem Nachtmarkt eine Heuschrecke zu probieren, nachdem eine Thailaenderin uns darueber aufklaerte wie die Tierchen zu essen seien. Ich wollte mir die Kostprobe aufheben, bis wir in Wasser gekochte Seidenraupen finden, die es eigentlich in den Seidenweberdoerfern geben sollte und im Reisefuehrer als extrem lecker angepriesen wurden. Leider oder vielleicht auch zum Glueck fanden wir keine ;-))
Im Reisefuehrer stand auch, dass die Nationalparks entlang des Mekongs sehr sehenswert sind und da wir noch bis zum Lichterfestival (Loi Krathong genannt) in Thailand bleiben wollen, fuhren wir nach Ubon Ratchathani, was wir als Basis fuer unseren Nationalpark-Ausflug nahmen.
Ubon Ratchathani erreichten wir letzten Samstag – ein guter Tag um abends mal in einen Club zu gehen. Der Club in den wir  wollten lag einige Blocks entfernt von unserem Hotel. Auf dem Weg dorthin hielt ein Krankenwagen neben uns und der Fahrer fragte, wo wir hin wollen. Wir nannten ihm den Namen des Clubs, woraufhin er uns kurzerhand Einlud und  zur Bar fuhr. Als wir dort ankamen, hinten aus dem Krankenwagen kletterten, und auf die Bar zugingen, hatten wir staunendes Gelaechter und alle Aufmerksamkeit fuer uns. Die Drinks mussten wir dennoch bezahlen.
Wir mieteten in Ubon einen Roller und fuhren in den letzten 3 Tagen einige der Parks ab. Im Prospekt des Thailaendischen Tourist Office werden diese in den hoechsten Toenen gelobt und als die schoensten in der Umgebung angepriesen, daher war unsere Erwartungshaltung recht hoch. In Sam Phan Bok soll man sich wie auf der Oberflaeche eines fremden Planeten fuehlen.  Die Landschaft ist mit den vielen Loechern im Flussbett des Mekong tatsaechlich beeindruckend, aber das Gefuehl auf einem anderen Planeten zu sein, stellte sich nicht ganz ein.
In Pha Taem gibt es einige beeindruckende Wasserfaelle anzuschauen. Da momentan aber gerade Trockenzeit ist, fuehren die Fluesse so wenig Wasser, dass man die Groesse der Wasserfaelle waehrend der Regenzeit nur erahnen kann. Pha Taem ruehmt sich noch wegen seiner 3000 Jahre alten Felsenmalereien, die aber im Laufe der Zeit ziemlich verblasst und an manchen Orten kaum noch sichtbar sind. Beeindruckend sind aber die hohen und steilen Felswaende an denen man entlang wandern kann. Landschaftlich haben sich die Ausfluege daher wirklich gelohnt.
In den Nationalparks hatten wir auch noch Gelegenheit die Arbeitsmoral einiger Thailaender zu erfahren. Gluecklicherweise ist das Servicecenter mit einem Fernseher ausgestattet, der den ganzen Tag Seifenopern zeigt, sonst haetten die armen Angestellten gar nichts zu tun! Uebrigens sieht man das auch oft bei Restaurantpersonal.
Morgen geht unsere Reise weiter nach Pak Chong zum Khao Yai Nationalpark. Nachdem wir so viel Natur bewundert haben, hoffen wir, dort auch mal auf wilde Tiere, wie Elefanten und Tiger, zu treffen.
Liebe Gruesse aus dem Isaan (wie der Nordosten Thailands auch genannt wird),
die beiden Rucksacktouristen