Donnerstag, 20. Dezember 2012

Li Hei Kambodscha

Susrei  zusammen,

Als wir vor 3 Wochen in Kambodscha eingereist sind und am Grenzuebergang so stark der Korruption begegneten, die uns bis Siem Reap zu verfolgen schien, wollt ich das Land beinah wieder verlassen. Nicht dass es ueberhaupt zur Diskussion gestanden haette, doch jetzt bin ich froh, sind wir geblieben. Neben Angkor Wat hielt dieses Land noch so einige Erlebnisse und Sehenswuerdigkeiten fuer uns parat. So war unsere naechste Station nach Siem Reap die kleine Stadt Pursat, in der wir den Bamboo Train erleben durften und ein kaum touristisches, schwimmendes Dorf auf dem Tonle Sap besucht haben.
Das Streckennetz der Bahn in Kambodscha wurde zwischen 1930 und 1940 von den Franzosen gebaut und seitdem nie wieder erneuert oder in Stand gesetzt. Mittlerweile sind die Gleise so krum und kaputt, dass 2009 der Bahnbetrieb komplett eingestellt wurde. Da die Bahnlinie aber noch gebraucht wird als Transportmittel fuer Reissaecke z.B. oder auch fuer Einheimische die von einem Dorf zum anderen fahren wollen, bauten die Einheimischen sogenannte norys, auch Bambus Zug genannt. Dieser Bambuszug besteht aus vier Eisenbahnraedern und einer 2,5 x 2,5m grossen, darauf liegenden hoelzernen Platform. Angetrieben wird diese Platform mit einem kleinen rostigen Benzinmotor dessen Keilriemen mit einem einfachen Stock gespannt wird. Zum Starten wird ein Seil um die Antriebswelle? gefaedelt und gezogen, so dass der Motor anspringt.  Der nory ist vielleicht 30km pro Stunde schnell und rattert ziemlich laut, wenn er ueber die Gleise faehrt. Manchmal hat es 1 bis 2 cm grosse Luecken im Gleis bei denen es einen heftigen Schlag gibt, wenn die Plattform drueber rollt. Diese Bambuszuege sind offiziell verboten, doch im Reisefuehrer stand, dass man an verschiedenen Orten evtl. mitfahren kann. So fragten wir in Pursat die Einheimischen, die gerade Reissaecke von einer Platform abluden, ob es moeglich ist, mal mitzufahren. Sie ueberlegten kurz, handelten mit uns einen Preis aus und meinten wir sollen am naechsten Morgen um 8 Uhr da sein. Dann koennten wir eine Stunde mitfahren (je eine halbe fuer Hin- und Rueckweg). Es war ein super Abenteuer!! Wir hatten die Plattform auf der Hinfahrt fuer uns allein und rauschten vorbei an Feldern und Doerfern, wo die meisten Haueser aus Holz und auf Stelzen gebaut sind. Meist bestehen die Haueser aus nur einem Raum, manchmal auch 2 bis 3, wobei die Raeume dann nur durch Tuecher oder duenne Bambuswaende abgetrennt sind. Meist sieht man im Haus noch mindestens eine Haengematte, die tagsueber zum Ausruhen genutzt wird. Sonst spielt sich das ganze Leben draussen ab oder unter dem Haus zwischen den Stelzen. Dort sind Waescheleinen gespannt mit trocknender Waesche drauf und es hat kleine Holzplattformen zum Ausruhen. Manchmal dient ein Teil des Platzes unterm Haus auch als Lagerstaette fuer Holz oder als Huehnerstall. Gekocht wird ebenfalls draussen an einer ueberdachten Kochstelle. Erstaunlich fuer uns war, wie aufgeraeumt und sauber es trotz allem unterm und rund ums Haus war. Auch wenn sonst so viel Muell und Plastik rum liegt, um das Haus herum ist es meist gefegt und sauber.
Auf der Rueckfahrt teilten wir die Plattform mit unzaehligen Einheimischen die in die Stadt wollten. Sie stehen einfach am Gleis und warten. Einen Farplan gibt es nicht. Das Prinzip ist aehnlich wie mit den Bussen hier. Die Einheimischen stehen am Strassenrand, warten bis mal ein Bus vorbei faehrt bzw. haelt und steigen ein. Bezahlt wird am Ende der Fahrt. Wir bezahlten fuer die Fahrt sicher 10 Mal so viel wie die Einheimischen, aber das Abenteuer war es uns wert!

Zum schwimmenden Dorf nahmen wir ein Tuk Tuk, was wir uns mit einem belgischen Paerchen teilten, ausser uns wahrscheinlich die einzigen Auslaender in Pursat. Es ist immer wieder schoen, andere Reisende zu treffen und sich auszutauschen und meist trifft man sich zufaellig irgendwo anders wieder. Beide trafen wir nochmal in Kratie und spaeter in Phnom Penh. Sie waren eines von 4 Paerchen die wir immer wieder mal zufaellig an verschiedenen Orten des Landes irgendwo auf der Strasse getroffen haben.
Das schwimmende Dorf ist von daher beeindruckend, da man dort sieht, wie sich Menschen mit ihrer Umgebung in der sie leben, arrangieren koennen. Schwimmendes Dorf heisst, dass alle Bewohner auf einer Art Hausboot leben. Das Dorf hat ca. 1500 Boote, darunter gibt es ein Police-Marine Office auf dessen Stufen, gerade als wir vorbei fuhren, ein Polizist sass, mit einer Schoepfkelle in der Hand Wasser aus dem See schoepfte und sich duschte. Es gibt ein Kirchenboot, eine Tankstelle, ein Boot auf dem grosse Batterien wieder aufgeladen werden, eines wo Eisbloecke hergestellt und gecrusht werden, einen Mobileshop, einen Fischmarkt wo der Fang vom Tag verkauft wird und diverse Boote, wo Gemuese und sonstige Lebensmittel erworben werden koennen. Manche Boote haben sich sogar einen kleinen schwimmenden Garten angelegt oder sind liebevoll bunt bemalt. Einige halten sich sogar Hunde auf ihren Booten – keine Ahnung wo die Gassi gehen mit denen…  Es ist ein buntes Treiben. Es gibt auch ein Schluboot. Wir sahen auch wie Kinder mit einem kleinen Boot von zu Hause abgeholt  und zum Schulboot gefahren wurden. Es ist wie in einer kleinen Stadt, nur dass sich alles auf dem Wasser abspielt.

Waehrend der Regenzeit steigt der Wasserpegel des Tonle Sap um ca. 3m an bzw. sinkt wieder um 3m zur Trockenzeit. So werden die Boote immer zum Beginn und zum Ende der Regenzeit miteinander verteut und zusammen 40km weiter in den See(Trockenzeit) bzw. Richtung Seeufer (Regenzeit) verschoben. Irgendwie kaum vorstellbar, wenn man die Groesse des Dorfes sieht.
Nach Pursat zog es uns mal wieder an den Mekong – diesmal nach Kratie, da man dort die vom Aussterben bedrohten Irrawady Delfine beobachten kann. Anders als die Delfine, wie wir sie ueblicherweise kennen, gleichen diese im Aussehen eher einem kleinen Wal. Bei Kratie gibt es nur noch um die 80 Delfine, die sich auf ca. 190km des Mekong verteilen und viel scheuer sind als Delfine die im Meer leben. Um so erstaunter waren wir, als wir tatsaechlich einige von ihnen sichten konnten. Warum sich die meisten Delfine gerade bei Kratie tummeln, wissen wir nicht, jedoch haben die Einheimischen ein Geschaeft daraus gemacht. Wir konnten ein kleines Boot chartern das uns etwa eine Stunde auf dem Mekong herum schipperte  und super Sicht auf die immer wieder auftauchenden Delfine  gewaehrte. Die Versuche, sie mit der Kamera einzufangen, gaben wir jedoch schnell auf.

In Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, wurden wir mehr denn je mit der juengeren Geschichte des Landes konfrontiert.  Wir besuchten das Tuol Sleng Museum, welches auch S21 genannt wird und zwischen 1975 und 1979 den roten Khmer als Gefaengnis diente. Inhaftiert wurden dort vor allem Kadermitglieder der roten Khmer, denen man vorwarf, sich nicht regimegerecht zu verhalten. Schon das Singen eines Liedes aus der Zeit vor den roten Khmer beispielsweise  fuehrte zur Inhaftierung, sowie das Tragen einer Brille oder die Faehigkeit eine Fremdsprache zu sprechen. Man geht davon aus, dass waehrend der 4 Jahre ca. 17.000 Menschen dort eingesperrt und gefoltert und spaeter auf den Killing Fields (in der Naehe von Phnom Penh) teilweise mit Ackerwerzeug hingerichtet wurden. Tuol Sleng war vor 1975 eine Schule und gleicht in seiner Bauweise den Schulen wie sie heute noch in Phnom Penh genutzt werden.
Auch die Killing Fields besuchten wir. Insgesamt wurden dort ca. 20.000 Menschen (Maenner, Frauen und Babys) umgebracht und in Massengraebern vergraben. Viele der Massengraeber hat man inzwischen ausgehoben, die Knochen analysiert und gesaeubert und in eine Stupa hinter Glasfenster gelegt. Sie dienen dort als Mahnmal – irgendwie ein skurriler Anblick. In der Regenzeit kommen heute noch Knochen und Stoffetzen aus der Erde, die wir auf den Wegen sehen konnten. Einmal im Jahr werden diese vom Personal eingesammelt und in einen Glaskasten gelegt.

Waehrend der roten Khmer-Zeit wurde ein viertel der ganzen Bevoelkerung Kambodschas hingerichtet. Das durchschnittliche Alter der Einwohner heute liegt bei 24 Jahren – es ist tatsaechlich auffaellig dass es sehr viele junge Leute hier gibt. Unser Besuch der Killing Fields und des S21 haben uns dazu bewegt, uns etwas mehr mit der Geschichte des Landes zu befassen. So erfuhren wir auch, dass der erst kuerzlich verstorbene Koenig nicht ganz unschuldig ist an den Geschehnissen waehrend der roten Khmer Zeit, dennoch wird er von den Kambodschanern vereehrt. Da er momentan noch im Koenigspalast aufgebahrt ist, war dieser zur Haelfte fuer die Oeffentlichkeit gesperrt. Wir erfuhren dort aber, dass der Leichnam traditionell 3 Monate aufgebahrt wird bevor man ihn oeffentlich verbrennt. Speziell fuer die Verbrennung des Koenigs wird momentan auf einem oeffentlichen Platz vor dem Palast ein Krematorium gebaut - mit Tribuehnen drum herum. Da das Krematorium bis zum 4. Februar fertig sein muss, wird ununterbrochen daran gearbeitet. Die Arbeiter stellen die Arbeit gegen 10 Uhr abends ein, schlafen unter Plastikplanen auf der Baustelle und setzten die Arbeit am fruehen Morgen fort – sicher ungewohnt und schwer bei der ueblichen Arbeitsmoral die man sonst so beobachtet hier. Das Krematorium und die Tribuehnen werden nach der Verbrennung des Koenigs mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder abgerissen – so hofft es zumindest die Bevoelkerung, da es in der Geschichte bisher wohl immer so war.
Von Phnom Penh aus fuhren wir in den Sueden von Kambodscha, nach Sihanoukville, einen der touristischsten Badeorte des Landes. Im Reisefuehrer stand, dass man dort gut tauchen kann und auch in den Tauchshops vor Ort sagte man uns begeistert, dass die Sicht gerade sehr gut sei und wir Glueck haben. Das veranlasste uns dazu, gleich ein 3 Tages Tauchpackage (2 Tauchgaenge pro Tag) zu buchen mit Uebernachtung auf der Insel Koh Rong. So schnell buchen wir glaub nie wieder ein Package!!  Die ersten 2 Tauchgaenge lagen im Durchschnitt bei 3m, was an sich nicht schlimm ist, aber kaum einen Unterschied zum Schnorcheln macht. Noch schlimmer war die Sicht. Mit 2-3m noch schlimmer als im Bodensee – 2 mal haben wir sogar fast unseren Tauchguide verloren. Die Korallen sind schon ziemlich ausgebleicht um nicht zu sagen abgestorben. Fische sieht man auch kaum. Die Lebensformen, die am meisten vertreten sind, sind Seeigel und Schnecken und weisse Wuermer, die manche Korallen fast komplett bedecken. Es war mega enttaeuschend. Als wir am naechsten Morgen erfuhren, dass wir nochmal an die gleichen Tauchplaetze gehen, weil es so viele Schnorchler an Bord hat und das die besten Schnorchelplaetze sind, waren wir nicht mehr nur enttaeuscht sonder recht wuetend. Wir wollten das Packet stornieren, was zwar ging, aber ohne Geld zurueck. Im Tauchshop fragten wir die Betreiberin, ob sie schon mal woanders getaucht ist, wenn sie das als schoen bezeichnet, was diese wiederum etwas wuetend machte … Letztendlich machten wir die 4 ausstehenden Tauchgaenge noch. Der Tauchshop kam uns so weit entgegen, die letzten beiden Tauchgaenge auf der anderen Seite der Insel zu machen. Diese hat die schoeneren Tauchspots, es braucht aber etwas laenger dorthin zu fahren, daher fahren sie sie so selten an. Ausserdem organisierten sie uns kostenlos ein Fischerboot, was uns vom Tauchboot abholte und am Strand der anderen Inselseite absetzte. Das war ein Entgegenkommen, mit dem wir leben konnten. Die Tauchspots dort waren tatsaechlich etwas besser, die Korallen waren zwar in aehnlich schlechtem Zustand wie auf der Inselseite die dem Festland zugewandt ist, dafuer betrug die Sicht schon ca. 6m! Das Highlight waren 2 Cuttlefische und 2 Stingrays.

Auf der dem Meer zugewandten Inselseite gibt es nur ein paar einfache Bungalows, die man nicht abschliessen kann. Zum Duschen steht ein Fass mit Wasser und eine Schoepfkelle bereit und Strom gibt es nur zwischen 18 und 20.30 Uhr. Dafuer ist es dort total ruhig – keine Bars, keine laute Musik, keine rumtollenden Jugendlichen, einfach nur Sandstrand, ein paar Haengematten, ein kleines Restaurant und nichts weiter – Ruhe pur. Wir blieben dort 2 Tage um zu relaxen. Am ersten Abend waren noch ein paar Backpacker da mit denen wir fuer einen Abend eine kleine Gemeinschaft bildeten. Bei Kerzenschein sassen wir in einer aus ein paar Holzplanken zusammengezimmerten Bar mit Blick aufs Meer, hatten nette Gespraeche und beobachteten die vielen Gluehwuermchen in den Baeumen um uns herum. Gegen Mitternacht gingen wir alle zusammen schwimmen, unter sterenenklarem Himmel. Wer nachts schon mal schwimmen war im Meer bzw. zum Nachttauchen war, kennt sicher den fluoreszierenden Effekt des Planktons. Bei jeder Bewegung die man macht, leuchtet es im Wasser als waeren da ganz viele kleine Sterne. Die Atmosphaere kann ich gar nicht beschreiben – es ist eines der speziellsten Dinge, die ich je erlebt hab.
Unsere letzten Stationen in Kambodscha sind Kampot und Kep,  dort, wo der Pfeffer waechst und es einige Hoehlen zu besichtigen gibt. Wir liehen uns einen Roller und machten einen Ausflug zu den Pfefferplantagen und einer Hoehle die durch einen unterirdischen Tunnel in einem Tempel erreichbar ist. Beides war sehr sehenswert. Ich meine Kampot-Pfeffer kennt man bei uns auch. Wir hatten die Moeglichkeit ihn zu probieren - lecker und ziemlich scharf!

Ausklingen liessen wir den Abend auf einer kleinen Schiffahrt mit Wein, Kaese, frischen Austern und Krabbenbarbequ - man muss es sich auch mal gut gehen lassen. ;-) Wir hatten waehrend der Fahrt ein nettes Gespraech mit einem Amerikaner, wie sich nachher herausstellte Jay Yuenger, den Gitarristen der Metal Band White Zombie. Evtl. kennt die ja jemand von Euch - war aktuell in den 90er Jahren.

Das war's von Kambodscha. Morgen geht es weiter nach Ha Tien, Vietnam. An Weihnachten wollen wir auf der vietnamesischen Insel Phu Quoc sein und an Silvester in Saigon. So zumindest mal die aktuelle Planung. Egal wie es kommt, wir sind jedenfalls sehr gespannt auf das naechste Land.

Wir wuenschen allen frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr, sowie Gesundheit und Glueck fuer 2013!
Viele liebe und sonnige Gruesse,
Silvan & Katja
 
Hier noch der Link zu den Bildern: https://picasaweb.google.com/silli081/KambodschaTeil2?authuser=0&authkey=Gv1sRgCITCi-eCjpCN1gE&feat=directlink
 

 

  

2 Kommentare:

  1. Liebe Katja, lieber Sylvan,

    ich wünsche euch von Herzen schöne Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2013 -und noch viele schöne Reiseerfahrungen.
    an liaba Gruass
    Isabella

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  2. Liebe Katja, lieber Silvan,
    wir lesen Eure Reiseberichte sehr gern und staunen über eine so ganz andere Welt.
    Für das neue Jahr wünschen wir Euch weiterhin eine erlebnisreiche Zeit bei guter Gesundheit. Alles Liebe von
    Dagmar& Detlef

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